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König Christian IV. (1577 – 1648), bis heute der populärste Landesvater Dänemarks, ist auch der ‚Vater‘ Glückstadts. Gegen alle Bedenken ließ er in einer “Wildnis” außerhalb der Deiche einen großen Hafen anlegen, ein repräsentatives Schloß und eine ‚Ideal-stadt‘ errichten – sie sollte der Handelsmetropole Hamburg den Rang ablaufen. “Dat mut glücken, un dat schall glücken”, soll Christian IV. gesagt haben. So kam Glückstadt zu seinem Namen.

Doch die ehrgeizigen Pläne gingen nicht auf: Glückstadt blieb ein beschauliches Landstädtchen; schon nach wenigen Jahrzehnten verfiel das Schloß und wurde abgerissen. Auf dem Gelände erinnert nur noch das – allerdings noch immer imponierende – Provianthaus an die ‚großen‘ Zeiten. Bis vor wenigen Jahren prangte an der Westseite ein überdimensionales Herrschermonogramm, das zuletzt auch abgenommen wurde, weil es herabzustürzen drohte. In seiner städtebaulichen Versehrung spiegelt dieser Ort bis heute die Irritationen der Geschichte und die Vergänglichkeit der Macht.


König Christian IV - Acryl auf Leinwand - 145 x 145 cm - 2008

Auch das Portrait irritiert: Es ist einerseits ein monumentales Herrscherbild; es zeigt Christian IV. repräsentativ gewandet und in respektvoller Perspektive von unten. In seinem fülligen Gesicht finden sich Spuren ‚barocker‘ Welt- und Lebenslust. Doch der alternde König ist ‚gezeichnet‘: Zwei Zähne fehlen ihm; das rechte Auge ist getrübt – Verletzungen, die er in der “Seeschlacht auf der Kolberger Heide” vor Kiel (1644) erlitt. Von Bombensplittern getroffen, befehligte er seine Truppen unbeirrt bis zum Sieg über die Schweden weiter – wofür ihn die dänische Nationalhymne bis heute in martialischen Worten feiert. Doch es war ein Pyrrhus-Sieg. Mit dem Dreißigjährigen Krieg verlor Dänemark seine Vormachtstellung in Nordeuropa – und Glückstadt seine große Zukunft. Ein neues Bild von Christian IV. beginnt sich abzuzeichnen: “Vom strahlenden Helden zum tragischen Verlierer” (Hans-Dieter Loose).

Kein Heros blickt hier von einem Denkmalssockel auf den Betrachter herab. Der greise Monarch wendet selbst den Blick nach oben, aus einer verworrenen Gegenwart in scheinbar lichtere Gefilde, als suche das Auge eines ‚blinden Sehers‘ nach Antworten in höheren Sphären. Es ist ein sinnender und suchender Christian IV., der sich einem intransparent gewordenen Sinn der Geschichte gegenübergestellt sieht – geprägt vom Kampf der Konfessionen, von Glanz und Elend, Rückschritt und Aufbruch.